My Mai-Wochenende

AKW

Das Internet ist ein Quell des Wissens, vor allem, wenn man es nutzt. Der Campingplatz, der in passender Entfernung zwischen Kindergartenfreundin M. und meiner südlichen Metropole liegt, sieht auf der Website ganz einladend aus: Bilder aus den 70ern, Dauercamper-Idylle mit Licht statt zugewachsener Heckenreihen und direkt am See, dazu der Hinweis auf den Klabautermann-Spielplatz, das ist doch was für zwei Frauen mit Kind! Kurzum, wir kommen von Norden und Süden angereist, lassen uns weder vom Stau noch vom Wetter aus der guten Laune schubsen und stehen an der vorletzten Abbiegung unvermittelt: vor den zartrosa-beleuchteten Kühltürmen des örtlichen Kernkraftwerks! Hand-auf-die-Stirn-klatsch: klar, AKW Philippsburg, schon mal irgendwo aufgeschnappt… Nun gut, das wird nicht gerade in diesen 3 Tagen hochgehen. Auch die beneidenswert konsequente Bio-Einstellung sieht es zum Glück gelassen, und so stellen wir uns für die erste Nacht auf den Parkplatz vor der Camping-Schranke, um den nächsten Morgen und damit das Erscheinen des freundlichen Platzwarts abzuwarten. Die Batterie schwächelt (zieht der Kühlschrank während der Fahrt womöglich mehr Strom als die Lichtmaschine liefert??), also gibt es zwei Teelichter zum Rosé: eine schläft, zwei tratschen, das AKW ist von unserem Winkel aus nicht zu sehen und existiert folglich gerade nicht.

Hector und Knutschkugel
Der kommende Morgen bringt ein paar Wolken, das herzliche Willkommen des freundlichen Platzwartes und den schönsten Stellplatz direkt am See. Das Glück hält noch so lange an, dass wir im Trockenen die Busse mit Strom und Vorzelt einrichten, und dann lockt ein fröhliches Camperfrühstück mit Blick auf die neu angereisten Nachbarn, die im unablässigen Regen geübt ihr Zelt aufstellen. Der Nachmittag gehört der Bildung und der Riesenrutsche im Technikmuseum Speyer: ein wildes Sammelsurium der Ingenieurskunst vergangener Jahrzehnte / Jahrhunderte, allerdings mit arg wenig Informationen gespickt. Jetzt wäre (ausnahmsweise) ein technikversierter Mann mit umfangreichen Kenntnissen von Flugzeugbau und anderen Finessen praktisch… Sei’s drum, die Sonne lacht immer wieder durch die Wolken und wir bummeln quer durch alte Flugzeuge, Lokomotiven und Autos, bis wir den Abend im Restaurant Seeblick ausklingen lassen und nur noch wenige Schritte zum kuschligen Bus-Bett vor uns haben.

Klapprad1Klapprad2  

Klappt das?? Prompt: ja, klappt – das Klapprad von Aldi Süd lockt mit fairem Preis, Packtasche, erhellendem Zubehör und in den Bus passt es auch. Allerdings zunächst nur als Beistell-Theke zwischen Lounge-Sofa und Schiebetür: es wird in einer riesigen Pappkiste ausgeliefert und steht die ersten zwei Tage prominent im Weg. Am zweiten Vormittag lacht die Sonne bereits zum Frühstück und so wird der Drahtesel aus der Kiste befreit und gleich ausprobiert. Zugegeben, es ist kein Mountainbike und sieht bewegt wie unbewegt ein wenig albern aus, aber dafür passt es geschickt gefaltet tatsächlich in das bus-eigene Badezimmer bzw. den somit eindeutig klassifizierten Abstellraum. Das Tolle daran ist, dass in jedem Urlaub, egal ob allein oder zu zweit, mal eben das Fahrrad mitkommt, so dass immer ein Stückchen Mobilität für den Weg zur nächsten Ortschaft, zum Einkaufen oder an den Strand totally easy umsetzbar ist – und das ganz ohne Umbau der Sitzgruppe, ohne Gepäckträger, ohne Überlänge und ohne groß darüber nachzudenken.

Und sobald ich einen edlen Ritter finde, der mir die Bremsen gescheit einstellt, gewöhne ich mir das bergauf-bremsen auch wieder ab.

Später am Tag zieht erst Wind auf, dann mehr Wind und dann WindWindWind, kurz: Schmetterlingsflügel lösen den Sturm aus oder vielleicht ist es auch ganz normales Aprilwetter. Nachdem die Campingstühle wenig elegant vom Winde verweht werden, bedenken wir das perfekte Vorzelt vor der Knutschkugel eines kritischen Blicks und entscheiden: wir lassen die Sonne rein, Schattenspender und Regenschutz sind gerade unnötig und so bauen wir es lieber ab. 3 Frauen und ein Vorzelt lassen sich stilgerecht höchst dramatisch in Szene setzen, ohne Helm trauen sich nur die Wagemutigen an die Stangen!

Maiwind1  Maiwind3 Maiwind4

Nach 2,5 Tagen Camping-Idyll am See wird es Zeit, nicht nur die Zelte sondern auch den Aufenthalt abzubrechen und weiter zu ziehen: Schwetzingen lockt mit einem Schloss (von außen: ja, sehr hübsch), einem sportlichen Stadtfest und leckeren Bratwürsten im Brauhaus zum Ritter.

Das Fazit zu 3 Frauen und 2 Bussen: Hector knutscht gern nächstes Jahr wieder die VW-Knutschkugel und wollte man das ganze Wochenende in ein Bild packen, dann sähe das in etwa so aus:

Campingidylle

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